«Phänomen Schweizer Franken»

Währungen

Seit der Finanzkrise kennt der Wechselkurs EUR/CHF nur noch eine Richtung, nämlich nach unten. Im Herbst 2007 wurden noch Kurse von 1.68 Franken pro Euro bezahlt. Aktuell liegt der EUR/CHF Kurs bei 0.955. Somit hat der Euro gegen den Schweizer Franken rund 43 Prozent an Wert verloren. Auch gegen sämtliche andere Währungen zeigt sich der gleiche Trend. Es gibt aktuell keine einzige Valuta die seit der Finanzkrise gegen den Schweizer Franken zulegen konnte. Zu jenen, die am wenigsten verloren haben, zählt der USD mit «nur» 25 Prozent Verlust. Sozusagen wertlos ist die Türkische Lira (TRY), welche 97 Prozent ihres Wertes gegen den CHF eingebüsst hat. Dieses Phänomen ist aufgrund verschiedener Umstände erklärbar. In der Schweiz herrschen günstige Wirtschaftsbedingungen, eine hohe Produktivität und tiefe Inflation. Hinzu kommen die politische Stabilität und die geringe Staatsverschuldung. Erst kürzlich bestätigte die Ratingagentur S&P die Bonität der Schweiz, mit der Bestnote «AAA» und lobte die «starke wirtschaftliche Resilienz» des Landes. Aufgrund dieser Gegebenheiten gilt der Schweizer Franken als «Sicherer Hafen». Es wurde jedoch immer wieder gewarnt, dass die starke Währung der Schweiz auch schaden könne, da sich die im Inland hergestellten Produkte dadurch verteuern, was für die exportlastige Schweiz zum Problem werden könnte.

Dies hat sich bis heute jedoch nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil, die Schweiz profitiert im aktuellen Umfeld von hoher Inflation besonders vom starken Franken. Die Wirtschaft kann zu günstigen Preisen importieren, was zu einer tieferen Inflation und zu geringeren Kostensteigerungen führt. So liegt die aktuelle Inflation in der Schweiz bei tiefen 1.6 Prozent gegenüber 5.3 Prozent in der Eurozone. Aufgrund dieser Ausgangslage sehen wir auch in Zukunft kaum Gegenwind für den Schweizer Franken. Unser Währungsindikator bestätigt dieses Bild ebenfalls. Beim EUR/CHF haben wir seit Juli 2021 den EUR in den CHF Mandaten abgesichert. Wie nachfolgende Grafik zeigt, gab es seit der Finanzkrise 5 Phasen, in welchen wir den Euro jeweils absicherten, wodurch wir den Wertverlust abfedern konnten.

Konjunktur

Die aktuellen Konjunkturdaten deuten weiterhin auf eine Abschwächung der Wirtschaft hin. In den USA befindet sich der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Industrie nach wie vor unter der Wachstumsschwelle von 50, während der Dienstleistungssektor noch leicht darüber liegt. Ein deutlicheres Bild liefern die PMI-Resultate aus der Eurozone. Dort befinden sich sowohl der Industrie-, als auch der Dienstleistungssektor, unter der kritischen Schwelle und deuten auf eine mögliche Rezession hin. Die in der Neue Bank Ampel berücksichtigten Konjunkturindikatoren haben sich erholt, liegen aber noch knapp im Rezessionsbereich.

Aktien

Steht der Zinsgipfel in den USA unmittelbar bevor? Seit März 2022 hat die US-Notenbank (Fed) den Leitzins um 525 Basispunkte von 0.25 auf 5.5 Prozent erhöht. Aufgrund der aktuellen Konjunktursorgen und der Entspannung am Arbeitsmarkt, preisen die Zinsmärkte ab November keine weiteren Erhöhungen mehr ein. Sollte die Fed den Markterwartungen folgen und die geldpolitische Straffung einstellen, könnte dies dem Aktienmarkt weiteren Auftrieb verleihen. In den letzten 45 Jahren konnte der US-Aktienmarkt in den zwei Jahren nach der letzten Zinserhöhung mit durchschnittlich 22.5 Prozent zulegen. Am besten lässt sich der aktuelle Zyklus mit der Phase zwischen Anfang 2004 und Sommer 2006 vergleichen, als die Fed die Leitzinsen nahezu ähnlich zügig erhöht hatte. Der Hintergrund war damals auch eine überhitzte Volkswirtschaft und anziehende Inflationsdaten. Nach dem Ende der Zinserhöhungen im Juni 2006 stieg der S&P 500 Index bis zum Ausbruch der Finanzkrise um weitere 20 Prozent. In dieser Phase hatte die Fed jedoch die Zinsen zu stark angehoben, was bekanntlich zu einer harten Landung und Finanzkrise führte. Ob die US-Notenbank aktuell den Bogen bereits überspannt hat, kann niemand beantworten. Zurzeit geht der Markt von einem Soft Landing mit moderatem Wirtschaftswachstum aus. Verläuft es dieses Mal ähnlich wie in der Vergangenheit, kann bei den Aktienmärkten noch mit weiter steigenden Kursen gerechnet werden. Die Neue Bank Ampel bleibt auf neutral (Gelb), könnte aber im September bei besser als erwarteten Konjunkturdaten sogar auf leicht bullisch (Hellgrün) schalten. Vorerst halten wir aber an unserer neutralen Aktiengewichtung fest.

Obligationen

Fürchtet sich der Fed Chef, Jerome Powell, vor folgender Grafik?

Die Grafik zeigt die Entwicklung der US-Inflation von Januar 1966 bis Dezember 1982 gegenüber den US-Inflationsdaten vom September 2013 bis Juli 2023. Der Verlauf ist sehr ähnlich, ausser dass die Teuerung in den 70er Jahren in der Spitze noch etwas höher lag, als in der aktuellen Phase. Dazumal senkte die US-Notenbank den Leitzins im März 1980 von 20 auf 11.5 Prozent. Jedoch folgte danach eine zweite Inflationswelle, welche in der Spitze bei knapp 15 Prozent lag. Genau vor einem solchen erneuten Teuerungsschub hat Jerome Powell Respekt, weshalb er den Sieg über die Inflation bis heute noch nicht erklärt hat. Im Kampf gegen die Inflation sei die Fed zwar weit gekommen, sagt ihr Chef an der Zentralbankenkonferenz in Jackson Hole, jedoch ist das Ziel von 2 Prozent noch nicht erreicht. Darum sei er entschlossen, die Zinsen gegebenenfalls weiter anzuheben und sie auf einem restriktiven Niveau zu halten, bis es sicher ist, dass sich die Inflation nachhaltig in Richtung des Zielwerts bewegt. Somit lässt sich Jerome Powell alle Türen offen und die Anleger müssen sich eventuell noch auf eine längere Zeit mit höheren Zinsen einstellen.

Alternative Anlagen

Viele Investoren sind der Meinung, dass man unbedingt Gold im Portfolio halten sollte um sich vor Inflation und Krisen zu schützen. Im letzten Jahr, als alle Anlageklassen korrigierten, bewahrheitete sich dies jedoch nicht, sondern Gold korrelierte sowohl mit den Aktien- als auch den Obligationenmärkten und brachte nicht die gewünschte Diversifikation ins Portfolio. Von Januar bis Oktober 2022 – auf dem Jahrestief des US-Aktienmarktes – verlor Gold knapp 10 Prozent. Auch längerfristig betrachtet, ist die Performance von Aktien deutlich besser wie jene von Gold, trotz in etwa gleich starker Schwankungen (Volatilität). Aus diesem Grund halten wir Gold nicht dauerhaft in unseren Portfolios, sondern es kommt nur je nach Signal zum Einsatz. Aktuell halten wir kein Gold, sondern sind in Listed Private Equity investiert.

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